Strawberry fields forever!

Erdbeere

Bionik nennt sich die wissenschaftliche Methode technische Probleme mit Hilfe aus der Natur entlehnter Prinzipien zu lösen. Ob Sinnbild für Reinheit (Lotuseffekt), müheloses Gleiten (Haihaut) oder effiziente Strukturen (Leichtbauoptimierung bzw. neuronale Netze), Mutter Natur weiß wie’s geht.

..Und in sachen Kommunikation und Informationsverbreitung?

Nun seit „Web 2.0“ gibt es für eine Nachricht, die sich verbreitet wie ein Lauffeuer das Schlagwort von der „viralen Kommunikation“, einer Nachricht also, gegen die man keine Abwehr hat. Mit der man seine Umgebung infiziert.

Solche Nachrichten haben jedoch meist verpickelte, playbacksingende Teenager zum Inhalt, die ihren Schauwert dadurch generieren, dass sie sich schlichtweg zum Horst machen.

Eine Information aber, die mit einer Absicht daherkommt über Misstände zu informieren, stößt bei der Masse der Spaßgewöhnten auf eine Mauer aus grimmigen T-Helfer-Zellen bzw. Feindbildern und Klischees: Atomkraftgegner sind militante Saboteure, Afrika nervt und der Klimawandel.. na gut, Ski-fahren war schon prima früher. Und mal ehrlich, wer freut sich nicht über Zerstreuung? Samsara jetzt, fürs Nirvana hat man ja alle Zeit der Welt.

Wo also, gibt es in der Natur Beispiele für eine Information, die sich darum bemühen muss „aufgenommen“ zu werden?

Samen! Abgesehen von denjenigen, die sich, wie im Wasser üblich (gibt es Früchte von Wasserpflanzen?) auf die Strömung der umgebenden Mediums verlassen, heischen Pflanzen um die Aufmerksamkeit von belebten und energiehungrigen Vehikeln. Knallige Farben, verlockende Düfte, wertvolle Nährstoffe und Vitamine, all das wird aus dem Stoffwechsel entnommen und in Früchte investiert. Transport als Gegenleistung; ein Deal, der den landlebenden mobilen Mehrzellern billig ist, nein, lebenswichtig! Und die Früchte schmecken gut, nur die bitteren Kerne nicht, aber die sollen ja auch unbeschadet und unverdaut am anderen Ende des Vehikels wieder ans Licht kommen; gedüngt und an einem anderen Ort.

Das Prinzip ist bekannt und einleuchtend. Wer pult schon die Samen von Erdbeeren ab? Kann ein Yoghurt oder Marmelade ohne diese Samen überhaupt gut sein?

Bei der Kommunikation von kritischen oder engagierten Inhalten, fällt auf, dass meist nur die reine Information geboten wird. Man stelle sich eine Pflanze vor, die Passanten mit staubtrockenen Samen belästigt - selbst wenn die Pflanze, bspw. als Schattenspender, lebenswichtig wäre, würden sich kaum Freiwillige finden, die ohne unmittelbaren Nutzen für den Transport sorgten.

Die Webung kennt das schon lange und die Bildzeitung auch. Der aufklärerische Anspruch, die pädagogische Haltung, so berechtigt sie auch sein mögen, stehen der Informationsverbreitung selbst im Weg. Wer will sich schon sagen lassen was er/sie denken oder wollen soll? Der ganze Gestus ist geneigt auf Ablehnung zu stoßen, wobei mehr Druck und Intensität, aus Effizienzgründen, zu Automatismen führt, die gleich einem Blitzableiter, nach stereotypen Kriterien, die Autonomie der Aufmerksamkeit (die bekanntlich ein rares Gut ist) verteidigen.

Daher: so lange es AUCH Nüsse gibt, die nur von Spezialisten geknackt werden können (und auch hier spielen Eichhörnchen eine wichtige Rolle) bedürfte es im Sinne eine Breitenwirksamkeit (und nur diese kann etwas ändern) mehr Erdbeeren in der engagierten Kommunikation.

Weniger kann daher mehr sein. Perspektiven aufzeigen, Denkräumen platz geben, den Diskurs prägen indem das vom Autor Ungewollte schlicht nicht reproduziert wird. Wenn man so eine angenehme Atmosphäre entstehen lassen kann, in der sich Alle wohlfühlen und austauschen, die niedrigschwellig im Zugang ist und dennoch bewußt Auslassungen und Einschließungen macht dann kann man Meme verbreiten ohne auf Abwehr zu treffen und ohne das Anliegen zu verbergen. Wie die Erdbeere.

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