Abends

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Es gibt sie immer noch, diese seltsamen Berliner Nächte, in denen man sich bewusst wird, dass einem hier jederzeit alles passieren kann. Man sitzt dann wie im Kinosessel und ist selbst auf eine Entführung durch Außerirdische gefasst. Letzte Nacht war so eine. Etwas anstrengend, aber dennoch ein kleines Protokoll wert:Ein Freund hatte mich zu seiner Ausstellung eingeladen.. naja.. „eingeladen“ dann doch nicht ganz.. den Eintritt hätten ich und ein anderer Freund, den ich überreden konnte kurz mitzukommen, selbst bezahlen sollen. Nein, nicht ganz.. er hätte sie dann doch für mich bezahlt, weil ich ja im Gegensatz zu ihm gerade nicht richtig verdiene und er die Gästeliste schon abgegeben hatte und naja.. egal.. da war ein kühles Blitzen in seinem Blick – eins, das nicht zu Freunden passt. Seit einer Weile gibt es diese “mein-Haus-mein-Auto-meine-Freundin”-Gesten. Aber vielleicht tue ich ihm Unrecht und müsste mir stattdessen Neid eingestehen, weil ihm gerade „die Sonne aus’m Arsch scheint“ - egal was er derzeit angeht. Andererseits, das Gezeigte war eher als technische Lösung und von den beteiligten Namen her interessant als inhaltlich oder als Ereignis.. Hm.. aber eine Maschine von außen anzusehen ist doch dröge oder ging es doch nur um Socializing? Wer kennt wen und macht mit wem wichtige Projekte? Eine Art Messe. Anbiedern. Hofiert werden.. Es gibt Situationen, da kann man gar nicht natürlich miteinander umgehen. Vielleicht gelingt ihm ja deshalb gerade alles, weil er es versteht schneidende Blicke zu parieren und mit den Augen „En garde!“ zu rufen.Wir blieben nicht lange. Wir wollten nicht rumstehen. Stattdessen ging’s weiter zu einem Konzert im CCCP. Da trat dann auch ein Fakir auf: Er stach sich diverse Nadeln durch Gesicht, Zunge und Brustwarzen, ließ 20kg Gewichte dran baumeln und wischte sich mit Teils echt schmerzverzerrtem Gesicht das Blut aus demselben.. Aber er versuchte tapfer rüberzukommen und wollte gelobt werden, für die Ungewöhnlichkeit seiner Selbstvertümmelung. Auweia! Irgendwie tat er einem Leid. Man wagte gar nicht zu klatschen, damit er endlich aufhört. Es hatte etwas Peinliches, dieses Lobheischen mit Schmerzen.Dann ging’s weiter auf eine WG-Party. In der Küche gab es Essen, und ich machte mich über so ein paar Brätlinge her, die da rumlagen und lecker aussahen.. bis auf das Bisschen Paprika.. aber gut.. ‘nem geschenkten Gaul..Dann interessierte sich auf einmal ein Pärchen dafür, wie mir das denn schmecke und ob ich ein Problem damit hätte Fleisch zu essen. Da steckte mehr dahinter.. merkte ich gleich. Und tatsächlich.. man geilte sich daran auf, dass man nach dem Rezept der Mutter eines Freundes Schweinehirn (man muss das beim Metzger bestellen!) verrührt (das schäumt angeblich und riecht komisch), zu Brätlingen verarbeitet und ahnungslosen Leuten zu essen gegeben hatte. Sie konnten nicht aufhören über die Konsistenz zu tratschen, es als gummiartig und lommelig zu beschreiben, damit rumzuschwabbeln etc. Ich hielt eine ganze Weile durch, dann nervte mich das und ich ging. Ich versuche zwar gerade möglichst ohne Fleisch auszukommen aber deswegen bin ich noch lange nicht hysterisch, wenn ich in sowas beiße, und ich sah einfach keinen Unterhaltungswert in dem Gespräch.. noch nicht mal als “Forscher”.Inzwischen allein, noch vorbei in einer Bar, in der ich mal gearbeitet hatte. Die üblichen Verdächtigen am Tresen. ..und ein Typ durch den nur noch der Alkohol sprach, und der, immer wenn man etwas auf seinen Nonsens entgegnete, völlig willkürlich auf Schlüsselworte reagierte, dazwischenplökte und irgendeinen neuen Schwachsinn absonderte. Am Ende schwärmte er davon wie geil es sei, sich zu prügeln, eine in die Fresse zu bekommen und auszuteilen.. Fight Club sei der einzig wahre Film und so.

with your feet in the air, head on the ground.. where is my mind? where is my mind?!

Anstatt Fight Club nachzuspielen ging ich heim. Danke Welt! .. nach Hause telefonieren! *flenn*

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