Eine vertane Chance

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Seit ein Paar Tagen läuft bundesweite der Film Leroy in den Kinos: gut gemeint, aber dennoch ärgerlich!

Der Film hätte sehr wichtig sein können für schwarze Deutsche und Deutschland im Allgemeinen. Noch immer ist in zu vielen Köpfen nicht angekommen, dass man deutsch sein kann ohne “caucasian” auszusehen. Auch die Schwierigkeiten sich eine Identität nicht aus Traditionen und Ahnenreihen herzuleiten, sondern sie sich selbst, bewusst und aktiv zusammen zu zimmern, ohne dabei in klischeehafte Rollenmuster zu verfallen - einfach zu sein wie man ist und sich fühlt - sind Themen, denen sich eine moderne und offene Gesellschaft stellen muss, wenn sie mit einer so verheerenden Demographie in einer globalisierten Welt bestehen will.

Das sind ernste Themen! Und deshalb täte es gut diese in lockerer, unterhaltsamer Weise im Kino und damit im öffentlichen Diskurs und Bewusstsein wieder zu finden.Das Kino, mit seiner unmittelbaren und eindrucksvollen Erzählkraft, wäre der ideale Ort um wachzurütteln und Perspektiven aufzuzeigen - und schließlich gibt es Unmengen an gelungenen Beispielen wie Filme Stereotype über Minderheiten brechen oder sie zur Debatte in die Öffentlichkeit bringen: “Gegen die Wand”, “Sommersturm”, “Knallhart”, ja selbst “Borat” (nur eine spontane Aufzählung).

Leroy, aber, hat auf ganzer Länge versagt. Der Plot, die Dialoge und die Inszenierung sind eben doch keine Komödie (und schon gar kein “schwarzer” Humor - nur weil es lustig sein soll und ein Schwarzer die Hauptfigur ist!) sondern bloßer Klamauk.

Ob man schwarzen Deutschen und Schwarzen im Allgemeinen einen gefallen tut, wenn man mit Klischees um sich haut, bleibt (zumindest) fraglich. Erst recht wenn das Thema “afro-deutsche Identität” damit bei den einschlägigen Fördereinrichtungen als bearbeitet gilt und die Mittel hierfür auf Jahre “vertan” sind.

Der afro-deutsche Protagonist heißt Leroy, was eben so wenig deutsch ist wie die Referenzen an Funk, Malcom X und Blaxploitation. Apropos Blaxploitation: die Filme dieses Genres entstanden zu einer Zeit, als die amerikanische Filmindustrie darbte und neue Zielgruppen ausfindig zu machen suchte. Daher entstanden Filme über schwarze Milieus und mit schwarzen Protagonisten - aber von Weißen gemacht. Exploitation - Ausbeutung, eben.

Umso verwunderlicher ist es, dass sich Afrob, Torch und Seed für das Projekt haben gewinnen lassen. Man muss sich schließlich nicht an jedem Strohhalm, der in die Öffentlichkeit führt festhalten.

Schon der URL der Webseite des Films ist ein Ärgernis: “leroylize.it” - legalize it.. Hallo?! Schwarz-Sein selbst hat (noch) nichts mit Illegalität zu tun und schon gar nicht mit Cannabisprodukten! Was als flapsiges Wortspiel daherkommt reproduziert subtil Klischees und Vorurteile. Wie sehr diese im öffentlichen Diskurs verankert sind zeigt sich u. a. an solchen Verfehlungen wie sie selbst der Grüne Spitzenpolitiker Joschka Fischer machte, als er dazu anregte sich vorzustellen wie die so genannte “Jamaika-Koalition” praktisch aussehen solle - nämlich mit Dreadlocks und Marihuana-Schwaden.

Wenn sich Leroy, im Film, selbst als “Neger” bezeichnet, muss man sich nicht wundern, dass der Begriff “Negerkuss” nicht aus den Köpfen zu bekommen ist.

Ja, es gibt schwarze Deutsche, die einen gewöhnlichen deutschen Namen tragen und es leid sind in Clubs und auf der Straße gefragt zu werden, ob sie “was zu rauchen” da hätten, unbändige Liebhaber und gute Sportler seien oder Tänzer mit Rhythmus “im Blut”.

Armin Völckers, der Regisseur von Leroy, und die anderen am Film Beteiligten hatten sicherlich die besten Absichten. Dennoch müssen sie sich die Frage gefallen lassen, inwiefern sie sich eines Themas “bemächtigt” und dieses “verbraucht” haben, dass überzeugender und besser hätte umgesetzt werden können und sollen.

Bleibt zu hoffen, dass durch den Film der Bedarf einer angemessenen thematischen Bearbeitung deutlich wird und die Förderinstitutionen auch nach Leroy Gelder bewilligen.

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